Warum sich echte Zufriedenheit oft unspektakulär zeigt – über kleine Momente innerer Ruhe und Stimmigkeit im Alltag
- Marita Eckmann

- 27. Mai
- 2 Min. Lesezeit

Da war er wieder. Dieser kleine Moment, der sich immer mal wieder in meinen Alltag schleicht. Unangekündigt und leise.
Bisher habe ich ihn als „das kleine Glück“ bezeichnet – aber vielleicht geht es auch um etwas ganz anderes.
Ich saß am Küchentisch und um mich herum, und in der gesamten Wohnung, herrschte Chaos. In der Küche standen noch die Töpfe vom Kochen, zwei Schränke waren ausgeräumt, überall lagen Dinge herum.
Und dann war er plötzlich da – dieser sanfte Moment innerer Ruhe.
Das Durcheinander verschwindet nicht wirklich, aber ich nehme es plötzlich nicht mehr wahr. In mir wird es still. Kein Gedanke, kein inneres Ziehen, kein „ich müsste noch“.
Nur Ruhe.
Eine unglaubliche innere Ruhe.
Leere.
Und gleichzeitig ein starkes Gefühl von Sein. Von Leben.
In diesem Moment ist alles in Ordnung. Genau so, wie es gerade ist. Nichts muss anders werden. Nichts fehlt.
Es ist, als würde die Welt für einen kurzen Augenblick stillstehen.
Ich weiß noch nicht einmal, wie lange dieser Moment dauert. Vielleicht eine Minute. Vielleicht zwei. Aber er ist erfüllt von etwas, das ich kaum beschreiben kann.
Vielleicht ist es gar nicht Glück.
Vielleicht ist es Zufriedenheit.
Ein Gefühl tiefer innerer Stimmigkeit.
Das Interessante daran ist: Ich kann diesen Moment nicht machen. Ich kann ihn nicht planen, nicht erzeugen und nicht festhalten. So plötzlich, wie er kommt, verschwindet er auch wieder.
Manchmal begegnet er mir mitten im Trubel der Stadt. In der U-Bahn. Beim Einkaufen. Beim Spazierengehen. Beim Zähneputzen oder mitten im Tun.
Er entsteht nicht, weil etwas Besonderes passiert. Er ist einfach da. Und genau das finde ich so wunderbar.
Es geht im Leben viel weniger um das große Glück, nach dem wir ständig suchen.
Möglicherweise verpassen wir auf dieser Suche sogar die leisen Momente innerer Stimmigkeit, weil sie so unspektakulär wirken.
Denn echte Zufriedenheit fühlt sich meist nicht intensiv an. Nicht euphorisch. Nicht außergewöhnlich.
Sondern ruhig.
Still.
Unaufgeregt.
Und vielleicht liegt genau darin ihre Tiefe.



