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Wie sich meine Wut durch die innere Entwicklung gewandelt hat

Wie sich meine Wut durch die innere Entwicklung gewandelt hat


Viele Jahre war ich von sehr wütenden Menschen umgeben. Von Menschen, die Stress, Überforderung oder Enttäuschung fast ausschließlich durch Wut zum Ausdruck brachten – oder vielleicht nie gelernt hatten, ihre Gefühle anders auszudrücken.


Diese Wutausbrüche machten mir Angst. Und weil ich genau diese Angst niemandem zumuten wollte, unterdrückte ich meine eigene Wut. Statt meinen Standpunkt klar zu vertreten, wurde ich leise und versteckte meine Wut hinter Traurigkeit.


Gleichzeitig passierte etwas Spannendes: Je länger ich versuchte, meine Wut hinter Tränen zu verstecken, desto heftiger brach sie irgendwann unkontrolliert aus mir heraus. Ich wurde laut. Nicht, weil ich laut sein wollte, sondern weil ich keinen anderen Weg mehr sah, um mich zu behaupten.


Sich gegenseitig Wut entgegenzuschleudern, mag zwar im ersten Moment entlastend sein, doch es führt nur selten zu wirklichen Lösungen.


Erst durch meine eigene innere Arbeit, begann sich langsam etwas zu verändern, und das passierte ganz leise und fast unbemerkt.  


Bis dahin kannte ich vor allem die verletzende Seite der Wut. Eine Wut, die ich anderen unkontrolliert entgegenschleuderte oder die mir selbst entgegenschlug. Eine Wut, die oft beschuldigte oder verletzte und Gespräche unmöglich machte. Denn jeder war nur noch mit der eigenen Verteidigung beschäftigt.


Heute erlebe ich Wut völlig anders. Sie zeigt mir, dass etwas gerade nicht stimmt. Dass eine Grenze überschritten wurde. Dass mich etwas verletzt oder ärgert. Sie ist genauso kraftvoll und ehrlich, doch sie richtet sich nicht mehr gegen einen anderen Menschen. Sie muss niemanden kleinmachen oder verletzen, um gehört zu werden.


Der Unterschied ist deutlich spürbar. Nicht nur für mich selbst, sondern auch für die Menschen, die mich wütend erleben.


Meine Wut gleicht heute eher einem starken Ärger und sie fühlt sich vollkommen anders an. Sie geht lang nicht mehr so tief und erschöpft mich körperlich nicht mehr. Vor allem aber muss ich sie nicht mehr loswerden. Ich kann sie wahrnehmen, ausdrücken und trotzdem mit mir selbst und meinem Gegenüber im Kontakt bleiben.


Und dann ist mir noch etwas aufgefallen: Es gibt kaum noch wütende Menschen in meinem Umfeld.


Manchmal frage ich mich, ob sie mir früher etwas gespiegelt haben, das ich selbst noch nicht sehen konnte. Ich denke, wir begegnen der Welt mit dem, was unbewusst in uns lebendig ist.


Mit der eigenen inneren Entwicklung verändert sich nicht nur unser Umgang mit Gefühlen, sondern auch die Art, wie andere uns begegnen.

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