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Was dich sonst noch erwartet? 

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Deine MARITA ECKMANN

Es gibt Ausgaben eines Magazins, die entstehen aus Inspiration.

Und es gibt Ausgaben, die entstehen aus dem Leben selbst.

Diese Ausgabe gehört zur zweiten Kategorie.

 

Ich habe einen Menschen verloren, der mich über 36 Jahre meines Lebens begleitet hat. Einen Freund. Einen Weggefährten. Einen Menschen, von dem ich glaubte, dass er immer irgendwo in meinem Leben sein würde.

 

Er hat den Freitod gewählt.

Worte, die kaum zu begreifen sind.

 

Wenn ein Mensch geht, den wir lieben, bleiben Fragen zurück. Fragen, auf die es oft keine einfachen Antworten gibt. Besonders dann, wenn dieser Mensch nicht an einer Krankheit stirbt oder durch einen Unfall aus dem Leben gerissen wird, sondern selbst entscheidet, nicht mehr weiterleben zu wollen.

 

Ich habe lange darüber nachgedacht, ob ich darüber schreiben möchte.

Nicht über die Umstände. Nicht über Details. Sondern über das, was dahinter liegt.

 

Über Schmerz.

Über Hoffnungslosigkeit.

Über die Zerbrechlichkeit des Menschseins.

Und über die Frage, warum wir über den Tod oft erst sprechen, wenn er plötzlich mitten im Raum steht.

 

Der Verlust meines Freundes hat mich nicht nur traurig gemacht. Er hat mich mit etwas konfrontiert, das wir in unserer Gesellschaft gerne auf Abstand halten: der Endlichkeit des Lebens.

 

Denn der Tod ist eines der wenigen Themen, das uns alle verbindet. Unabhängig von Alter, Herkunft, Erfolg oder Lebensgeschichte. Und doch sprechen wir erstaunlich wenig darüber.

 

Wir reden über Gesundheit, über Wachstum, über Selbstverwirklichung und Lebensziele. Wir lernen, wie man erfolgreicher, glücklicher und bewusster lebt. Doch die Tatsache, dass unser Leben irgendwann endet, bleibt oft ein blinder Fleck. Vielleicht, weil wir glauben, der Tod gehöre nicht zum Leben. Dabei ist er sein Gegenüber. Sein stiller Begleiter. Seine Begrenzung – und vielleicht gerade deshalb auch sein Wert.

 

Diese Ausgabe ist keine Ausgabe über das Sterben.

 

Sie ist eine Ausgabe über das Leben. Über die Angst vor dem Ende. Über Verlust und Trauer. Über Sinn. Über die Menschen, die gehen. Und über die Menschen, die bleiben.

 

Sie ist eine Einladung, hinzuschauen, wo wir sonst wegsehen. Zu fühlen, wo wir oft funktionieren. Und vielleicht auch zu erkennen, dass die Auseinandersetzung mit dem Tod uns nicht vom Leben entfernt. Sondern ihm näherbringt.

 

Diese Ausgabe widme ich meinem Freund. Und allen Menschen, die einen geliebten Menschen verloren haben. Sowie jenen, die manchmal so viel Schmerz tragen, dass sie den Weg durch das Leben kaum noch sehen können.

 

Möge diese Ausgabe Räume öffnen für Gespräche, für Mitgefühl und für die Erinnerung daran, dass jede Begegnung kostbar ist. Weil nichts selbstverständlich ist. Und weil unsere Endlichkeit vielleicht nicht der Gegensatz zum Leben ist. Sondern das, was ihm seine Tiefe verleiht.

Tina Maria Werner

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