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Mut wird belohnt: Bewusste Konfliktklärung, ein Beispiel


Frau mit Hut die an einem See steht

Unser Gehirn ist ein wunderbar effektives Organ. Alles, was wir oft wiederholen, wird nach kürzester Zeit zu einem Automatismus. Und so kann es passieren, dass wir uns beim Autofahren nicht mehr an die gefahrene Strecke erinnern. Ich finde das wunderbar, denn es entlastet mein Denken und macht mein Leben leichter.


Ich fände es schrecklich, wenn ich bei jeder Autofahrt überlegen müsste, was ich beim Abbiegen alles beachten muss. So kann ich entspannt Musik hören oder mich mit meinem Beifahrer unterhalten.


In Wahrheit sind wir zu 95 Prozent per Autopilot unterwegs.


Anders könnten wir unseren Alltag gar nicht bewältigen. Solange uns die abgespeicherten Programme dorthin bringen, wo wir hin wollen, ist alles in Ordnung. Unangenehm wird es nur, wenn wir mit unseren Ergebnissen nicht zufrieden sind oder irgendetwas gewaltig in die Hose geht.


Spätestens dann ist der Zeitpunkt gekommen, herauszufinden, was passiert ist. Und die Programme, mit denen wir unseren Autopiloten gefüttert haben, untersuchen.


Wir packen die Taschenlampe aus und leuchten in die "dunklen Ecken" unserer Persönlichkeit. Zu den unbewussten Programmen, die wir nicht kennen, die aber trotzdem wirken. Das ist genau die Stelle, an der wir gerne ausweichen, denn - ja! - das kann etwas unangenehm sein. Gleichzeitig ist es eine ziemlich spannende Reise. Außerdem begegnest du niemand anderem als: dir selbst.


Genau deshalb lohnt es sich.


Und falls es dich beruhigt: Am Ende werden wir reich beschenkt.


Mit neuen Einsichten, Erkenntnissen und einem erweiterten Handlungsspielraum.


Das ist auch der Grund, warum ich mich Herausforderungen immer wieder mutig stelle. Denn am Ende ruft innere Freiheit und Klarheit und beides finde ich ziemlich cool.


Was heißt das jetzt konkret? Ein Beispiel.


Ich bemühe dazu nochmal das Beispiel, von dem ich im Editorial erzählt hatte. Während der kommunikativen Auszeit habe ich erst mal gar nichts gemacht und alles ruhen lassen. Nach ein paar Tagen hatte ich so viel Abstand, dass ich die Nachrichten nochmal lesen konnte. Das war nicht nur aufwühlend, sondern auch irritierend.


Ich war jedes Mal völlig durch den Wind. Ich verstand den Grund der gestellten Fragen überhaupt nicht. Und ich kapierte erst recht nicht, warum sie mich dermaßen in Wallung brachten. Die Befürchtungen meines Gegenübers entbehrten jeder Grundlage, zumindest wenn man mich kennt.


Mitten in der inneren Aufgewühltheit wurde mir klar, was passiert war: All das erwischte mich in einer emotional aufwühlenden Phase. Entsprechend dünnhäutig war ich unterwegs. Es könnte also gut sein, dass die Aussagen und Fragen gar nicht so gemeint waren.


Gleichzeitig habe ich mich, weil es zum wiederholten Mal passierte, die Beziehung hinterfragt. Was bedeutet diese wiederkehrenden Konflikte? Welche Basis haben wir miteinander? Was ist mir wichtig und wo sind meine Grenzen?


Die Auseinandersetzung mit all diesen Fragen und Gedanken, war äußerst schmerzhaft und gleichzeitig wichtig.


Denn ich wusste, dass es kein Zurück mehr gab. Der alte Weg würde nicht mehr funktionieren. Nach einigen Tagen spürte ich, dass ich gesprächsbereit war. Und dann ein kurzer, aber heftiger Schockmoment vor dem Telefonat: Mein System schlug Alarm. Ich hatte wackelige Knie und mir war schlecht. Was war denn jetzt los? Die Angst kroch mir bis in den Nacken. So konnte ich doch nicht in das Gespräch gehen!


Schreiben bringt Klarheit und Ruhe


Ich hatte noch Zeit und schrieb alles, was gerade da war, auf ein Blatt Papier. Raus damit. Danach war das Thema klar: Ich hatte Angst, wieder nicht verstanden zu werden. Autsch! Ein Thema, dass ich zwar kannte, aber nicht in dieser Dimension. Das wurde mir erst durchs Schreiben bewusst. Nach zwei Seiten war alles raus. Ich beruhigte mich wieder und konnte mich einigermaßen entspannt auf das Gespräch einlassen.


Es verlief achtsam, vorsichtig und sehr ehrlich. Im gemeinsamen Rückblick konnten wir sehen, was passiert ist und erkennen, wo wir einander unabsichtlich verletzt hatten. Jedem von uns wurden die eigenen Grenzen und Muster bewusst. Das war bewegend, überraschend und ziemlich erhellend. Es hat meine Sicht sehr erweitert.


Uns wurde klar, dass es manchmal besser ist, den Telefonhörer in die Hand zu nehmen (wir können uns leider nicht mal kurz auf einen Kaffee treffen), damit Missverständnisse sofort geklärt werden können.


Den alten Weg werden wir tatsächlich nicht mehr weitergehen. Es wird etwas Neues entstehen. Was genau, das wissen wir beide nicht. Wir haben gemeinsam beschlossen, es einfach mal so stehenzulassen. Mehr ist im Moment nicht möglich.


Mut wird belohnt


Ich möchte dir Mut machen, dich auch auf unangenehme Situationen einzulassen. Nicht auszuweichen, sondern die Taschenlampe aus der Schublade zu holen und in die nicht so schönen Ecken deiner Persönlichkeit zu leuchten.


Nicht jeder Prozess ist so aufwühlend wie meiner in diesem Fall. Manchmal genügt die bewusste Auseinandersetzung, um Stück für Stück Klarheit zu gewinnen und den nächsten Schritt zu machen.


Es lohnt sich. Immer. Ich weiß es.


Deine


Name Marita von Hand geschrieben
Deine Marita Eckmann




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