Innehalten statt weitermachen: Der Moment, in dem wirkliche Veränderung beginnt
- Marita Eckmann

- vor 2 Tagen
- 3 Min. Lesezeit

Ich kann mich nicht mehr an den konkreten Moment erinnern, aber an die vielen kleinen Momente und das Gefühl: Ich kann so nicht mehr weitermachen.
Irgendetwas passte nicht mehr, war nicht mehr stimmig.
Was mir vorher leicht und mit Freude von der Hand ging, wurde plötzlich anstrengend und schwer. Ich hatte begonnen, auszuweichen. Aus Freude wurde Pflicht – ein lästiges „Ich muss“.
Eigentlich hätte ich die Zeichen erkennen können, denn ich hatte etwas Ähnliches viele Jahre zuvor mit meinem Business erlebt: Die Energie war weg. Von einem Tag auf den anderen – und ich wusste: Es ist vorbei.
Jetzt ging es ums Schreiben für den Blog und dieses Mal konnte ich die Zeichen sehen, auch wenn ich noch nicht in der Lage war, sie zu deuten. Seit Wochen quälte mich Lustlosigkeit. Die Luft war raus und in mir war der Satz: Es ist alles gesagt.
Ich hatte in den vier Jahren viel übers Bloggen gelernt und kontinuierlich über alle möglichen Themen geschrieben. Über alles, was ich spannend fand und was mir neue Einsichten und Erkenntnisse schenkte. Und jetzt plötzlich gab es nichts mehr, was mich so sehr inspirierte, dass es mir einen Text wert gewesen wäre.
Trotzdem zwang ich mich zum Schreiben, wenn auch reduziert, denn mir standen meine eigenen Muster und Erwartungen im Weg.
Ich stehe für Kontinuität, Aufgeben ist keine Option für mich. Wenn ich mich zu etwas commite, ziehe ich das auch durch. Dabei lasse ich mich weder von Hindernissen noch von Misserfolgen aufhalten. Im Gegenteil. Sie fordern mich heraus und ich kann daran wachsen.
Aber das hier war kein Hindernis. Das war eine Krise. Ein Zeichen, innezuhalten und nachzudenken. Die Energie, die mich über viele Jahre getragen hatte, hatte sich unbemerkt davongeschlichen.
Die entscheidende Wende brachte die Empfehlung, vier Wochen lang nicht zu schreiben. Mein inneres Ja kam so schnell, dass ich mich nicht dagegen wehren konnte, und das war – das erkenne ich heute im Rückblick – genau richtig.
Denn die Schreibpause war nicht nur eine Erleichterung, sondern ein regelrechter Befreiungsschlag.
Weil das Schreiben ein wichtiger Teil meines Lebens ist, waren die Auswirkungen in jedem meiner Lebensbereiche sichtbar und spürbar – und das meine ich positiv.
Vor allem konnte ich endlich die Muster, die mich immer angetrieben hatten, erkennen. Ich war schockiert und gleichzeitig erleichtert, denn ich kann nur ändern, was mir bewusst ist.
Ich hinterfragte alles. Nicht nur die Konzepte, denen ich beim Schreiben folgte, sondern auch die Strukturen in meinem Leben.
Ich erkannte, wie sehr ich den Leistungskonzepten gefolgt war.
Immer in der Hoffnung, das gewünschte Ergebnis zu erreichen. Ja, sie hatten mich vorwärts gebracht. Meilensteine erreichen lassen. Aber ich fühlte es nicht. Alles fühlte sich irgendwie schal und leer an. Und dann wurde mir klar, was passiert war.
Ich hatte unterwegs etwas Wichtiges verloren: mich selbst und meine Bedürfnisse.
Die Pause war deshalb ein wichtiger – und vor allem wertvoller – Wendepunkt.
Nicht nur, dass ich gelernt habe, dass in Pausen meist mehr passiert, als in der Aktivität, ich habe auch verstanden, dass der Weg zum Erfolg idealerweise aus mir selbst heraus entsteht. Jenseits all der Konzepte, denen ich so lange gefolgt bin.
Die Stille und die neue Ruhe in meinem Leben, musste ich erst lernen auszuhalten, denn ich war ja immer Vollgas unterwegs gewesen.
Inzwischen ist ein halbes Jahr vergangen und ich bin immer noch dabei, herauszufinden, wie das Schreiben funktionieren kann. Ohne all die angelernten Strukturen und Konzepte – und in der bewussten Verbindung mit meiner Seele.
Ich habe gelernt, wie wichtig Pausen sind und dass es nicht darum geht, im Außen zu suchen, sondern im Innen zu finden. Und dass es ein wertvoller Hinweis aus unserem System ist, wenn sich etwas nicht mehr stimmig anfühlt.
Es lohnt sich, innezuhalten, wenn die Dinge ins Stocken geraten – und in der Regel gibt es dafür einen guten Grund.



